Tag 34: one is the loneliest number – ein bisschen Rumgeheule zu eurer Unterhaltung

Hosen runter! Es wird persönlich. Nicht nur, weil ich das Internet dazu benutze, mir Dinge von der Seele zu reden, sondern besonders, weil es anderen ähnlich gehen könnte und ich dem Thema die Scham nehmen kann.

Mein Caminoabschnittsgefährte Don unterbrach neulich – slightly verärgert zu meiner Überraschung- meine Rede in einer Unterhaltung über Zukunftspläne, als ich ihm sagte, ich sei eine „mid-thirty single academic lady blablabla“ mit den Worten: „Don’t pigeonhole yourself!“ Dieses Wort kannte ich noch nicht. Es bedeutet soviel wie „sich selbst in eine bestimmte Schublade stecken“ . Kommt aus dem Brieftaubenslang. Da hat wohl jede Taube im Schlag ihr eigenes Loch oder so. Don war jedenfalls der tiefen Überzeugung, dass ich zu groß für selbige Löcher sei und eh viel mehr bräuchte als eins. Und nicht einzuordnen sei. Und das auch nicht gesund sei.

Heute ist meine Wahrnehmung verschoben, das Alleinsein ist plötzlich schwer und blöd und andere haben schon vor Wochen Laufgruppen gebildet und ich bin allein mit hier und da wechselnden LaufpartnerInnen. „Wie im echten Leben“ – „camino de la vida“ höre ich andere Schlaumeier-PilgerInnen unken. In meinem Kopf. Eventuell ist das auch mein innerer Kommentator. Oder wie immer beides.

Allein essen: sad.
Allein am 24h-Supermarkt im Regen eine Single-Portion Nudelsuppe kaufen: SAD.
Allein an diesem Pool vorbeilaufen: SAD. As. F***.
Allein unterm Baum: super sad. Nicht nur an Weihnachten.
Einen unbekannten Pilger fragen, ob er ein Bild machen kann, weil man keine Selfies kann und dann so tun, als sei alles tutti: Mega SAD.

Warum bin ich alleine? Auf dem Camino (und der ist ja angeblich so wie das echte Leben) ist es so: Weil die Leute mir nach einer Weile auf die Nerven gehen. Oder man mag sich, hat aber unterschiedliche Bedürfnisse (schneller, langsamer, Pausen für Fotos, Essen, Umwege,…) Wie im echten Leben ist es ein großes Glück, jemanden zu finden, der genauso schnell läuft wie man selbst, in dieselbe Richtung geht und dann auch noch Lust hat, mit Dir zu gehen. Und du mit ihr/ihm/ihnen. Und ganz obendrauf kommt auch noch mein verdammter Anspruch an Menschen (grossherzig, positiv eingestellt, humorvoll), von dem ich einfach nicht runtergehen kann.

Und weil Halloween war, bekommt ihr die creepigste Vogelscheuche obendrauf.

Um mich herum sitzen im Restaurant in Arzúa zwei andere Pilger allein. Und essen. Wollen sie allein sein? Wären sie in der Lage, wäre dem nicht so, sich anderen anzunähern?

… Das ist wahrscheinlich die entscheidende Frage.

Der google assistent lässt sich nicht ausstellen und du überlegst ernsthaft, dir einen witz von ihm erzählen zu lassen? SAD, sad, sad.

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