Tag 38: Alles wichtige gratis und nichts umsonst

Nummer Drei in der Reih‘, ich hole mir die Urkunde, die besagt, dass mir alle Sünden vergeben sind und ich tatsächlich die ganze spanische Atlantikküste von Hendaye bis Santiago gelaufen bin. Offiziell sind das 827 km, da ich aber schon vor Hendaye ohne Credential (Stempel, d.h. Beweis) gelaufen bin und jede Menge Umwege gegangen bin, rechne ich circa 950 Kilometer, aber wir wollen ja nicht kleinlich sein. Im Durchschnitt lief ich 25. 000 Schritte pro Tag, sagt meine Health App. Zwei Tage habe ich pausiert. Ende September bis Anfang November war ich weg. Ich könnte noch bis Finisterre weitergehen drei Tage lang. Aber erstmal gehe ich ins Parador umsonst Mittagessen mit anderen PilgerInnen, wir sitzen wie ein international blind apostel pilgrim date an einem langen Tisch des gehobenen Restaurants.

Free Lunch, yeah!
Einer geschenkten glasierten Haxe schaut man nicht auf den Fuss, oder so.
Vom Seminario Menor aus ist die Aussicht auf Santiago wunderbar weit.

Danach ein Spaziergang durch die Steingassen der uralten Stadt. Irgendwo spielt jemand galizischen Dudelsack. In der Markthalle riecht es nach Fisch – und Abschied. Oder Herbst. Ist irgendwie das Gleiche. Das typische Bild „ich vor der Kathedrale, Leute, ich habs geschafft“ schenke ich mir.

Ein Blick in die Markthalle von Santiago.
Unterwegs gesammelt oder gekauft: galizische Äpfel und Maronen sind was ganz feines.

Es steht mir eine schwierige Entscheidung bevor: Weitergehen nach Finisterre (jajaja!!!) oder nachhause zum jährlichen Familien-Grünkohl-Essen nach Lüneburgo (… auch geil). Da sich meine Prioritäten in den letzten fünf Wochen Richtung „comunidad“ verschoben haben, entscheide ich zugunsten der Familie, die ich seit zwei Jahren nicht gesehen habe.

Die Zeit wartet auf niemanden und Steine sind geduldig. Kinder werden jedoch rasend schnell groß und Menschenleben sind kurz. Kurzum: Ich bereue meine Entscheidung nicht.

Alle Cousinen und Cousins auf einer Couch.

Und die Moral von der Geschichte!? Liebe schlägt Wanderlust. Und so beginnt die Reise der roten Zarah im Grünen – und endet im Grünkohl. Das Ende der Welt kann mal auf mich warten.

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